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Die Vorstandsfrau Sabine Nehls bei der Geburtstagsrede
Besucherin lässt sich von den Geldzitaten inspirieren
Dr. Katja von der Bey bei der Geld-Performance
Die Profile ermöglichen eine aktive Kontaktaufnahme
Sabine Nehls
Sabine Nehls und Antje Ripking

Netzwerkabend

Money Money Money – das war das Motto des 10. Netzwerkabends der Gründerinnenzentrale am 22. März 2011 zum 5. Geburtstag der Gründerinnenzentrale.

Frauen und Geld war nicht nur das Motto dieses Netzwerkabends, sondern Geld war das Motto des ganzen Jahres 2011, denn eine Zahl lässt uns schauern: Selbständige Frauen verdienen laut einer empirischen Untersuchung 34 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Woher kommt das und was können wir dagegen tun? Auf verschiedenen Veranstaltungen, Workshops und Seminaren wurde dieser Frage auf den Grund gegangen.

Angeblich geht es Frauen ja gar nicht ums Geldverdienen, sondern darum, ihre Visionen zu verwirklichen, unabhängig zu sein. Viel Geld zu verdienen hat ein schlechtes Image, mit dem sich frau lieber nicht identifizieren möchte.

Im Vorfeld des Netzwerktreffens hatten wir also unsere Kooperationspartnerinnen gebeten, uns ihre Erfahrungen, ihre Sprüche rund ums Thema Geld zu schicken. Bereits wenige Minuten nach der Mail mit der Bitte um die Zusendung erreichten uns die ersten Antworten. Die gesammelten Ergebnisse präsentierten wir plakativ auf den Wänden und die Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft. Dr. Katja von der Bey und Projektleiterin Antje Ripking von der Gründerinnenzentrale „performten“ Ausschnitte aus den Texten – musikalisch untermalt mit Liedgut rund um das Thema Geld.

Eigentlich hatten wir an eine kleine Feier gedacht, aber über sechzig Frauen waren gekommen, um mit uns gemeinsam den Geburtstag zu feiern. Es herrschte beste Stimmung, die mit der Tombola der von den Unternehmerinnen und Gründerinnen gestifteten Geschenkgutscheine ihren abschließenden Höhepunkt fand.

Gute Stimmung und ausgiebiges Netzwerken bei einem Glas Sekt oder Selters

Lassen Sie sich von den Geldzitaten inspirieren...

„Wer in Frauen investiert, macht immer Gewinn.“

Brigitte Maas, „Frau des Jahres 2008“ und Vorstandsfrau von Goldrausch

„Geld allein macht nicht glücklich… aber es beruhigt ungemein!“
Alter Familienspruch, den schon meine Mutter von ihrer Mutter gelernt hat…

Sabine Smentek, Unternehmens- und Organisationsberaterin

„Geld macht zwar Frauen nicht sexy, sondern angeblich nur Männer, aber – ehrlich gesagt – in einem Gründerinnenzentrum zu wirtschaften, das über 18 Mio € gekostet hat und mir gemeinsam mit 1676 anderen Frauen gehört, fühlt sich verdammt sexy an!“

Katja von der Bey, Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft

Spaß an der Arbeit lässt Ihre Haut altern Oder warum Sie sich doch mit Geld befassen sollten

Jede Raucherin weiß, dass Rauchen ungesund ist. Und findet es vermutlich doof. Trotzdem raucht sie weiter – warum? Wenn unser Wissen, unsere Einstellung und unser Verhalten nicht im Einklang sind, fühlen wir uns unwohl. Psychologen nennen dieses Phänomen „kognitive Dissonanz“. Um wieder alles in Einklang zu bringen, könnte die Raucherin einfach ihr Verhalten ändern (mit dem Rauchen aufhören), aber es ist erheblich einfacher, Wissen zu verdrängen („Mein Opa rauchte, bis er mit 97 bei einem Autounfall umkam“, d.h. Rauchen ist doch nicht immer ungesund) und ihre Einstellung zu ändern („Spießer rauchen nicht“, d.h. Rauchen ist doch nicht so doof).

Was hat das mit Geld zu tun? Viele Frauen könnten sich besser vermarkten, besser verhandeln und so mehr verdienen, aber es ist einfacher, Wissen zu verdrängen (sich nicht mit Geld zu beschäftigen und deswegen vergessen, dass man zu wenig verdient) und die Einstellung zu ändern („Die Arbeit an sich befriedigt mich; Geld ist mir nicht so wichtig“) als sich anders zu verhalten. Tatsächlich zeigen Studien, dass je geringer der Lohn bei gleicher Arbeit, desto größer die Arbeitszufriedenheit. [Ja, Sie haben richtig gelesen!] Die Gering­verdienerin redet sich sozusagen die Arbeit schön, um sich nicht über die Bezahlung zu ärgern und sich anders verhalten zu müssen. Konsequenterweise befasst sie sich dann noch weniger mit Geld – und vermarktet sich kaum, verhandelt schlecht und verdient weiterhin wenig.

Was dagegen tun? Die Lösung ist NICHT, dass Sie aufhören, Freude an der Arbeit zu empfinden. Um Gottes Willen – deswegen machen Sie sich ja selbständig! Aber fassen Sie Mut und tun Sie etwas gänzlich Unweibliches: Befassen Sie sich mit Geld. Je mehr, desto besser: Buchhaltung, Controlling, Marktrecherche … Verlangen Sie marktübliche Preise. Vermarkten Sie sich selbst- und preisbewusst. Verhandeln Sie mit Optimismus und Verve. Und trauen Sie sich, nein zu sagen, wenn Ihnen Ihr Gegenüber weiterhin ökonomisch unanständige Angebote macht. Tragen Sie Ihren Teil dazu bei, dass Frauen ihre Arbeit genießen und davon leben können.

Viel Erfolg – und Spaß – bei der Selbständigkeit!

Ida Storm Jansen, Unternehmensberaterin

Für Selbständige ist eine wichtige Regel, dass nicht mehr Kunden kommen, weil eine Leistung 10, 20 oder 50 Euro billiger angeboten wird. Das Gegenteil ist der Fall: Durch höhere Preise kommt ein Unternehmen/eine Praxis in Schwung.

Wichtig ist, sich mit den eigenen Preisen wohl zu fühlen.

Frauen/Unternehmerinnen, die Probleme mit Geld haben, können sich fragen: Welche Erfahrungen habe ich mit „Bekommen“ in meiner Familie gemacht? (Habe ich bekommen, was ich mir gewünscht habe? Wenn ich einen Anspruch angemeldet habe, wurde der erfüllt?) Frauen tendieren oft zur Resignation, wenn es mit dem Empfangen nicht so geklappt hat – sie greifen dann nicht mehr zu.

90% unserer Geldprobleme sind die Probleme unserer Vorfahren.

Geld ist eines der Dinge, die glücklich machen. Weil es uns die Freiheit gibt, zu tun, was wir wollen, und unsere Ziele zu verfolgen.

Sich selbst das Recht auf finanziellen Wohlstand zugestehen!!

Michaela Himmel. Unternehmensberaterin, Trainerin & Coach

Als Gründungsberaterin habe ich viele gut ausgebildete Kundinnen, die ein Vorgespräch über ein Coaching mit mir führen. So manche Dame regt sich auf, wenn sie hört, dass das mit bis zu 100 Euro pro Stunde bezahlt wird. Immer höre ich dann auch einen Satz wie den Folgenden: „Ich arbeite für 15 Euro die Stunde“. Dazu kann ich nur Eines sagen: „Da hätten wir dann den wichtigsten Grund, ein Coaching in Anspruch zu nehmen.“ Von einem Mann habe ich so etwas übrigens noch nie gehört.

Manche Gründerin ist beim Anblick der eigenen Zahlen am Monatsende kurz vor den Tränen. Falls Sie zu den Unglücklichen gehören: Denken Sie wirklich, dass Sie das verdient haben? 

Wenn Sie Bescheidenheit für bewundernswert halten, werden Sie Schwierigkeiten bekommen, jemanden zu finden, der Sie dafür bewundert.

Ich bin seit 7 Jahren Gründungsberaterin und habe gemeinsam mit vielen Gründerinnen Preiserhöhungen „durchgekämpft“. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem Preiserhöhungen auf ein angemessenes Niveau zu Problemen mit Kunden oder mit der Finanzlage geführt hätten. Das größte Problem dagegen war stets die Angst der Gründerinnen, eine Preiserhöhung überhaupt in Angriff zu nehmen.

Das wichtigste Geheimnis in einer erfolgreichen Preisverhandlung mit Kunden lautet: „Lassen Sie NIEMALS einen Kunden spüren, dass Sie Angst haben, einen Auftrag nicht zu bekommen.“ Im besten Fall haben Sie tatsächlich keine Angst davor. Wenn Frau das lernt, wartet eine große Belohnung: Ein entspannter Feier­abend ohne finanzielle Sorgen.

Andrea Claudia Delp, Gründungsberaterin

Eine Geschichte zum 5. Geburtstag der Gründerinnenzentrale:

Geld ist nicht Alles - aber ohne Geld ist Alles Nichts

Hanna Hilfreich ist eine liebe Frau. Die meisten Menschen schätzen sie und mögen ihre soziale Ader. Sie ist Heilpraktikerin in Berlin Charlottenburg und möchte ihre Heilkünste anwenden, um ihre Patienten von Verspannungen und den damit verbundenen Schmerzen zu befreien. Um Geld geht es ihr erst in zweiter Linie. Sie denkt deshalb nicht gern darüber nach. Aus diesem Grund kam sie zu mir, um mich das für sie erledigen zu lassen. Die Idee, einen Stundensatz von 70-90 Euro durchzusetzen, fand sie allerdings viel zu gierig.

Mein Einwand, dass das Honorar die künftigen Arbeits- und Lebensbedingungen für sie und die Praxis absichern würde, quittierte sie mit einem nachsichtigen Lächeln und der Bemerkung: „Sie wissen gar nicht, wie wenig ein glücklicher Mensch zum Leben braucht. Ich will, dass meine Patienten meine Behandlung bezahlen können und nicht aus finanziellen Gründen auf Hilfe verzichten müssen. Sie werden deshalb öfter kommen und damit ist es für alle gut.“

Für Hanna ist es wichtig, dass alle Menschen Zugang zu notwendigen Behandlungen haben, deshalb fuhr sie fort: „Es kann doch nicht sein, dass ein Mensch mit einem Rückenleiden nicht kommt, weil es ihm zu teuer ist.“

Hanna Hilfreich konnte wirklich gut Rückenleiden behandeln und Menschen von Schmerzen be­freien. Diese Behandlungen erfordern viel Fachkompetenz und eine gewisse Stetigkeit.

Herr Meyer war ein zufriedener Patient, der nach überstandener Bandscheiben- OP bei Hanna Hilfreich eine Rückenschule und eine manuelle Therapie im wahrsten Sinne des Wortes genossen hatte. Wie erschüttert muss er gewesen sein, als er nur sieben Monate später erneut zu Hanna Hilfreich kam, die Räume aber leer und zur Neuvermietung standen.

Hanna Hilfreich hatte bei voller Auslastung zu einem Stundensatz von 30 Euro am Rande ihrer Leistungsfähigkeit gewirkt und dabei einen monatlichen Umsatz von 2400 Euro erwirtschaftet. Als Miete und die anderen Betriebskosten bezahlt waren, blieben diesem Glücklichen Menschlein noch 600 Euro zum Leben. Als nun die Unterstützung von der Arbeitsagentur wegfiel, kam eine dicke Nachzahlung vom Vermieter für die Betriebskosten. Anschließend stand zu allem Unglück noch eine Autoreparatur an. Die Zahlungsrückstände beim Vermieter häuften sich und Hanna wusste nicht mehr ein noch aus. Der Vermieter reagierte indes schnell.

Gern hätte ich Hanna den Rücken gestärkt, damit sie Herrn Meyer ein verlässlicher Partner bei der Behandlung seines Rückgrats sein kann. Er muss nun ohne Hannas Hilfe zurechtkommen. Hanna Hilfreich beherrscht die Kunst der Massage, musste aber einsehen, dass sie selbst an ihrem Rück­grat zu arbeiten hat. Zu einer Rückenschule gehört eben auch das Kreuz der Geschäftsführerin, das stark genug sein muss, um Preise zu verhandeln, die ihr und ihren Patienten eine auf Dauer angelegte Beziehung ermöglichen. Am Ende stand für Hanna Hilfreich die bittere Erkenntnis, dass Geld nur nebensächlich ist, wenn man genug davon hat. Denn ganz ohne Geld gibt es keine Leistung auf Dauer.

Dr. Brigitte Freiburghaus, Unternehmensberaterin und Lina Freisen, Heilpraktikerin

„Jetzt mal langsam“, wiegelte Marie ab. „Was Johanna da vorschlägt, würde bedeuten, dass wir unseren eigenen Glasbläserbetrieb aufmachen! Mit mir als Glasbläserin. Ich weiß nicht: ein Betrieb mit drei Frauen? Kann so etwas überhaupt funktionieren?“

„Warum nicht?“, kam es forsch von Ruth. „Das würde bedeuten, dass wir uns selbst in Lohn und Arbeit stünden...“aus: Die Glasbläserin, von Petra Durst-Benning, (2008, Ullstein Verlag)

Soweit eine Geschichte im Jahre 1890, wo Frauen noch viel weiter entfernt waren von Selbstbestimmung und eigenem Geld. Aber auch heute plagt sicher so manche Frau und Mutter das Thema Geld, Unternehmertum und Familie.

In diesem Sinne geht mir manchmal auch das Thema Geld durch den Kopf. Und die Fragen, die ich oft Frauen in meinem Beratungsalltag stelle sind natürlich: „Was möchten Sie machen? - Und wie viel Geld wollen Sie verdienen? Was sind Sie (sich) also wert?“

Gabriele Bergmann, Unternehmensberaterin